Cube Magazine 04 | 17
Tradition modern interpretiert

TRADITION MODERN INTERPRETIERT
Ein Einfamilienhaus besticht durch Offenheit und respektiert doch behutsam den Ort
Hin und wieder muss auch ein Architekt die Quadratur des Kreises hinbekommen mit so vielen Wünschen wird er überschüttet, mit so vielen Anforderungen konfrontiert, dass der Entwurf richtig knifflig wird. Auch ein Bauherrenehepaar in Krefeld hatte eine lange Wunschliste für sein individuelles Einfamilienhaus, das auf einem Grundstück in der historischen Donksiedlung - der größten geschlossenen Siedlerhaus-Anlage in NRW, geplant in den 1930er Jahren - realisiert werden sollte. Lichtdurchflutet hatte es im Inneren zu sein, und doch sollte die Glasfassade verschattbar sein. Die Wohn-,Ess-, und Küchenzone sollte offen sein, aber auch Rückzugsmöglichkeiten bieten. Klassisch modern, aber nicht unterkühlt wünschte man sich die Außenansicht. Von hohen Decken, Kaminerlebnis, lichten Bädern bis hin zum offenen, partiell uneinsehbaren Eingangsbereich ganz zu schweigen. Und alles sollte in hoher gestalterischer Ausführungsqualität realisiert werden.
Das Krefelder Büro 28° Architektur plante den 272m2 großen Bau im Laufe eines ganzen Jahres intensiv, mit großem Augenmerk auf jedes Detail. Die Bebauungstrukturen der Siedlung respektierend wurde ein in Höhe und Kubatur begrenzter, doppelter Baukörper mit jeweils eigenem Satteldach entwickelt, der die Garage dem Haus leicht versetzt angliedert. Grundrisse, Innenräume und Gebäudehülle konnten dagegen frei nach heutigen Raum- und Gestaltungsansprüchen interpretiert werden. Das Haus besticht durch sein klares, geradliniges Konzept, das vom Ganzen bis in kleine Details durchgehalten wurde. So erhielt die Fassade einen ausdrucksstarken Klinker, wie man ihn am Niederrhein typischerweise vorfindet. Dessen Farbmischung wurde sorgfälig im Klinkerwerk ausgewählt und mit einer Holzfassade kombiniert, die den überdachten witterungsgeschützten Eingangs- und Garagenbereich besonders artikuliert. Ein funktional klar gegliederter Grundriss strukturiert das Haus im Inneren. Eine einläufige Treppe in der Mitte ist das zentrale Erschließungselement, das auf eine Galerie im OG hinauf führt.
Küche, Esszone und Wohnbereich sind zueinander offen gehalten, werden aber über eine Eckführung zugleich auch voneinander diskret separiert. Speziell der Essbereich wird zudem über einen Luftraum zur natürlich belichteten Dachhöhe hin geöffnet. Durch das Vordach, aber auch durch BUS-gesteuerte Raffstores werden Glasflächen und Dachflächenfenster zum Garten hin so beschattet, dass das Raumklima selbst im Hochsommer angenehm bleibt. In der kühleren Übergangszeit sorgt allein der Kamin schon für ausreichende Beheizung.
Fotos: Marco Wehler
Quelle: www.cube-magazin.de




